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Auf Safari zwischen Wölfen und Kühen

04.01.2019.

An der Küste die Massen: Mehrere Kreuzfahrtschiffe ankern in der Bucht des dalmatinischen Kleinods Kotor. Tausende strömen durch das vom venezianischen Löwen beschützte Stadttor, überfluten das Unesco-Kulturerbe für wenige Stunden. Das südliche Budva ist beliebtes Urlaubsziel der Nachbarn aus Serbien, Bosnien und Herzogovina sowie zahlreicher Russen. Viel Ramsch, billiges Fast Food, laute Musik.

Unsere Reisegruppe zieht es abseits der Trampelpfade hinauf ins Dinarische Gebirge. Zwar setzt die montenegrinische Fremdenverkehrswirtschaft mit viel Elan gerade dazu an, im 140 Kilometer entfernten Kolasin ein Skigebiet aus dem Boden zu stampfen. Doch verglichen mit alpinen Skihüttenwahnsinn herrscht noch Idylle.

Unser Guide führt uns auf die Katun Vranjak, eine Alm an der Weitwanderroute quer durchs Land. Die Gruppe Holländer macht sich zu Fuß auf Richtung serbischer Grenze. Zwei Meter Schnee sollen hier bald liegen, trotz der Nähe zum Meer. „Aufs Klima ist Verlass“, versichert uns Andri. Wir glauben ihm, weil die Fenster der Hütte zwei Meter über dem Bodenniveau eingebaut sind.

Die Hütten haben mit Komfort nichts am Hut. Nette Holzverschläge, die kaum Kälte abhalten, kein Strom, kein Licht: Hier ist „slow down“ Programm. Und wilde Romantik: Hausmannskost bereitet Wirtin Katarina über offenem Feuer zu. Stolz zeigt sie die Herstellung von Kajmak.

Bewacht wird das Katun von zahlreichen Hütehunden. „Keine Angst vor den Wölfen“, gibt Andri als Motto für die Nacht aus, immerhin bevölkern 220 Isegrims die montenegrinischen Berge. Die Schafherde bleibt gelassen, die Kühe reiben nachts als Drohgebärde ihre Hörner an den Holzwänden. Im Finstern erblickt man den Sternenhimmel und bemüht die Nase bei der Kuhfladenrallye.

Im Frühjahr, wenn noch Schnee auf der Piste liegt, kann man vormittags Wintersport betreiben und nachmittags in der Adria baden. Das hat was! Sechs Nationalparks schützen das Naturerbe des Landes, bekannt der Durmitor mit der Tara-Schlucht, die mit 1300 Metern zu den tiefsten Canyons der Welt zählt und Abenteurer mit Raftingtouren anlockt.

Wir ziehen weiter in den Nationalpark Skadarsee, der nach Albanien hineinreicht. Eine Bootsfahrt über den See und seine verschlungenen Wasserarme ist Entschleunigung der Extraklasse. Der Seegrund liegt teilweise unter Meeresniveau, beheimatet endemische Tier und Pflanzenarten.

Als Wegzehrung wird Forelle bei "Sidon" serviert, köstlich! Überhaupt das Essen: Der Slogan „Natur pur“ sei als Qualitätsmerkmal gestattet. Prsut bei "Pero" in Njegusi, Rosé vom Weingut Savina, Bio-Oliven von der Plantage Moric. In Küstennähe wird der venezianische, schwarzer Reis angeboten, die Miesmuscheln kommen aus der nahen Zucht. Kalorienreiche, süße Verführer sind Baklava und Priganice (gebackene Mäuse), zum türkischen Kaffee gereicht. Welch ein Genuss!

 

Quelle: www.kleinezeitung.at


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