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Wo die Berge Urlaub machen

16.01.2019.

Für ihre Leibspeise Plankton filtern Austern bis zu 240 Liter Wasser pro Tag. Für diese Art der Nahrungsaufnahme haben die Muscheln im südlichsten Fjord Europas, in der Bucht von Kotor, offenbar ganz gute Bedingungen. "Das salzige Meerwasser, vermischt mit Nährstoffen aus den Bergzuflüssen, ist für das Wachstum ideal", sagt Saša Hudicek, der an der Küstenstraße eine Zuchtstation betreibt. Die Babymuscheln setzt er in Körbe, die er mit Leinen an Schwimmbojen befestigt und ins Wasser lässt. Dann wachsen die kleinen Austern etwa drei Jahre, bis sie roh mit einem Spritzer Zitrone heruntergeschlürft werden.

Und zum Nachtisch? In der Küstenstadt Kotor mit ihrer venezianischen Architektur und einer imposanten Stadtmauer laden Cafés zu landestypischen Leckereien ein. Ein traditionelles Dessert ist die Torte aus Dobrota, auch Seefahrertorte genannt. Früher sollen Frauen das Gebäck ihren Matrosen mit aufs Schiff gegeben haben, damit sie auf See gut versorgt sind. Das Rezept aus Ei, Butter und Pinienkernen wird wie ein kulturelles Erbe von Generation zu Generation weitergereicht.

Von Kotor aus geht eigentlich jede Straße steil bergauf. Es hat den Anschein, als würden die Berge an diesem Ort ihren Urlaub verbringen. An jeder Kehre möchte man den Fotoapparat rausholen und das Panorama einfangen. Und anhalten lohnt sich gleich doppelt: Denn entlang der Straßen werden in vielen Imbissbuden Früchte, Honig, Wein oder Walnussschnaps gereicht.

Wenn an der Straße Richtung Hauptstadt Podgorica plötzlich Schinken in den Buden liegen, dann ist man in Negusi, dem Schinkendorf. Bis zu 4000 Exemplare hängen bei Micko Kadija im Restaurant Zora übereinander. Bevor er die Schweinekeulen im Lager zum Trocknen aufhängt, werden sie über Birkenholz geräuchert und kräftig gesalzen. Die Hauptstadt Podgorica kann man besuchen, muss man aber nicht. Es gibt Parks, eine imposante Brücke, Shoppingmalls und viele Restaurants. Die Stadt liegt neben dem Skutarisee, einem der größten Binnengewässer Europas. Darin schwimmen prächtige Karpfen, die am Ufer in der Pfanne mit Dörrpflaumen und Quitten zu einem leckeren Gericht zubereitet werden.

Von Podgorica aus startet die Panoramastraße "Krug oko Korita", an deren Ende eine 1000 Meter tiefe Schlucht den Blick nach Albanien freigibt. Im kleinen Dörfchen Korita hat Slavko Prelevic eine urige Einkehr mit einem typischen Dubirog errichtet. Die kreisrunden Holzhütten haben in der Mitte eine Feuerstelle, über der ein großer Kochkessel hängt. In Prelevics Dubirog sind allerlei altertümliche Dinge ausgestellt wie eine Gulsa, ein typisches Saiteninstrument, das eine kräftige Portion Melancholie in die volkstümlichen Balkan-Lieder bringt.

Während an der Küste Fisch gereicht wird, geht es in den Bergen Montenegros deftiger zu. Unbedingt probieren sollte man das unter einer Art Glocke namens Saš gegarte saftige Lammfleisch - am besten in einem der ausgeschilderten "National Restaurants".

Gestärkt geht es weiter zu den Dörfern des Stammes der Ku?i. Orthodoxe, Katholiken und Moslems wohnen dort ohne Probleme nebeneinander, selbst Hochzeiten untereinander sind keine Seltenheit. Ein Grund dafür ist, dass die verschiedenen Gruppen hier seit Jahrhunderten leben und in den Unabhängigkeitskriegen gemeinsam gegen das Osmanische Reich gekämpft haben. Überhaupt gibt es in Montenegro bis heute keine Auseinandersetzungen zwischen Religionen - überraschend für den Balkan, für Montenegriner aber nichts Besonderes.

Die wichtigste Religion in Montenegro ist die orthodoxe Kirche. Zu deren heiligen Orten gehört das Kloster Ostrog, in dem die Gebeine des heiligen Vaslij liegen. Auf etwa 900 Metern Höhe wurden Klosterkirche und Gebetsräume in den Fels gebaut. Um das Kloster ranken sich viele Sagen. So sei eine Weltkriegsbombe auf dem Gelände gelandet, aber nicht explodiert. Zudem sei ein Felssturz auf das Kloster niedergegangen und habe weder Gebäude noch Besucher erwischt. Heute kann man die Kraft des Klosters selbst testen. Dazu einfach einen Wunsch auf einen Zettel notieren und in eine Kiste werfen. Besucher können vor den Toren des Klosters übernachten, Tausende Decken sind dort für Pilger ausgelegt. Weitaus angenehmer schläft es sich aber im nahegelegenen Etno-Selo Nevidio weiter nördlich in Richtung Durmitor Gebirge. Diese Dörfer bestehen aus traditionellen Hütten, die zu touristischen Unterkünften aufgepeppt wurden. Hat man darin nach einem Abend am knisternden Kamin den Tiefschlaf der letzten Jahre nachgeholt, sollte es am Morgen kein europäisches Frühstück sein. Die Alternative: Priganice - deftige Teigtaschen mit Honig, Käse oder Marmelade.

Der südlichste Fjord Europas, der größte See auf dem Balkan - Montenegro hat einige Superlative zu bieten. In die Kategorie "Nicht verpassen" gehört auch die tiefste Schlucht Europas. Der reißende Fluss Tara hat sich im Durmitor-Gebirge mehr als 1300 Meter tief in den Fels gefräst. An der tiefsten Stelle schweben waghalsige Touristen an Stahlseilen - den sogenannten Zip-Lines - über die Schlucht; die höllische Fahrt gibt es schon für zehn Euro. Wer es nicht so aufregend mag, der kann sich das Treiben entspannt in einem Restaurant am Rand der Schlucht anschauen - am besten mit einer frischen, mit Knoblauch gebackenen Forelle auf dem Teller.

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