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Das Land der schwarzen Berge ist ein Paradies für Bergfreunde.

Datum: 28.01.2014. 09:35

Ich freute mich auf den Besuch meiner Freunde. Obwohl sie in Südtirol zu Hause sind und somit die Berge vor der Haustuer haben, entschlossen sie sich eine Woche in den Bergen Montenegros zu verbringen. Über Dubrovnik und Trebinje kamen sie nach Nikšić, wo wir uns trafen. Als Einführung in die Geschichte und der Kultur des Landes besichtigten wir bei herrlichem Wetter das Kloster Ostrog. Beim anschließenden Lammbraten im Restaurant äußerten sie Zweifel, ob es wirklich noch möglich ist, hier in Montenegro an Ostern Skitouren zu unternehmen. Nach dem deftigen Mittagessen ging die Reise weiter - diesmal Richtung Norden. Nach knapp zwei Stunden erreichten wir den Durmitor Nationalpark. Meine Freunde staunten nicht schlecht, als sie die typisch alpine Vegetation und die schneebedeckten Berge sahen. Nach der Ankunft im Hotel studierten wir erst einmal die Karten und wählten dann eine Skitour aus.

Noch etwas verschlafen bereitete uns der junge Kellner am nächsten Morgen ein deftiges Frühstück. Anschließend machten wir uns auf unsere erste Skitour, die uns auf dem 2.313 Meter hohen Savin Kuk brachte. Wir starteten vom Fuße des Berges, wo sich eine Liftanlage mit großem Parkplatz befindet. Im dichten Nebel gingen wir die Piste entlang, bis wir nach einer Stunde die steilen Felsen um uns und den blauen Himmel über uns erblickten. Langsam verzog sich der Nebel tief unten im Tal, während wir an der Bergstation vorbei Richtung Gipfel marschierten. Von dort hatten wir eine wunderbare Aussicht auf den Durmitor Nationalpark, den Tara Canyon und den Schwarzen See, der sich unmittelbar vor dem Nordhang des Berges befindet.

Nach einer Rast entschlossen wir uns, die Ostseite bis zum Parkplatz abzufahren und noch einmal die Aufstiegsspur hochzusteigen. Wieder am Gipfel angekommen wählten wir dann für die zweite Abfahrt eine Rinne, die den Namen „Mjesna Lastva“ trägt. Diese bis zu 45 Grad steile Schneerinne beginnt 100 Meter östlich des Hauptgipfels und zieht sich quer durch die Nordseite hinunter in die Almwiesen. Die Abfahrt durch die Rinne war beeindruckend, jedoch nur bei ausgezeichneten Schneeverhältnissen im Frühjahr zu empfehlen. Die zwei Touren hatten uns einiges abverlangt, aber eine deftige Hausmannskost am Restaurant am See versorgte uns wieder mit reichlich Energie.

Am folgenden Tag schien wieder die Sonne und wir machten uns erneut auf den Weg zur Talstation des Skilifts. Diesmal folgten wir der Piste nur für einige hundert Meter, bevor wir links hinaus auf die Bergschulter querten. Nach einer knappen Stunde gelangten wir auf den Vorgipfel und kurze Zeit später auf den Gipfel des 2.455 Meter hohen Šljeme. Der Gipfelgrat war mit einer riesigen Wächte verziert, die steil über die Nordwand ragte und wahrscheinlich dem warmen Wetter nicht mehr lange standhielt. Während der Gipfelweißwein im Schnee kühlte, genossen wir die herrliche Aussicht auf das Durmitor Massiv.

Nachdem wir die Südostflanke abgefahren waren, verabschieden wir uns im Hotel und fuhren weiter in die Tara Schlucht und nach Biogradska Gora. Nach einem Rundgang um den See im Nationalpark erreichten wir am Abend Kolašin. Bei frischen Forellen aus dem nahegelegenen Fluss und einem guten Tropfen Weißwein genossen den Abend.

Über Nacht schlug das Wetter um aber das hielt uns nicht davon ab, noch eine Skitour zu unternehmen. Wir brachen wieder früh auf und fuhren von Kolašin nach Mateševo und weiter zum Sattel Trešnjevik auf 1.573 Meter. Ein schneebedeckter Seitenweg führt den flachen Sattel entlang zur Štavna, einer Sommeralm am Fuße des 2.461 Meter hohen Kom Vasojevićki. Der Übergang von der Hochfläche zum steilen Anstieg befindet sich auf ca. 1.800 Meter und bei guten Schneeverhältnissen gewannen wir mit Spitzkehren im steilen Nordhang schnell an Höhe. Auf einer Schulter unterhalb des Gipfelhangs angekommen, wurden wir vom Nebel überrascht, der von der Südseite heraufzog und uns bald einhüllte. Wir beschlossen umzukehren, bevor uns der Nebel die letzte Sicht für die Abfahrt genommen hätte. Der Firn weichte etwas auf und so wedelten wir durch die steile Nordflanke hinunter und waren bald schon wieder am Fuße des Berges.

Zurück in Kolašin verstauen wir nun endgültig unsere Tourenski und konzentrieren uns mehr auf das Wandern, die Sehenswürdigkeiten des Landes und dessen gastronomischem Angebot. Auf unserem Weg nach Podgorica besichtigten wir noch das Kloster Morača und wanderten anschließend durch die Mrtvica Schlucht.

Meine Freunde waren von der kulturellen Vielfalt des Landes beeindruckt. Besonders hingezogen fühlten sie sich zu den urigen Bergdörfern, der traditionellen Lebensweise und der Ruhe auf den Bergen. Eines waren wir uns sicher: wenn auf diese wunderschöne Landschaft Rucksicht genommen wird stellt sie ein großes Potential für den Tourismus dar und wird dem Hinterland von Montenegro in den kommenden Jahren einen beachtlichen Aufschwung verleihen.

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