Skutarisee (Skadarsee)

 
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Der Skutarisee fasziniert – wie ganz Montenegro – durch die Vielfältigkeit seines Angebots.

Es gibt soviel zu sehen. Die Schönheit der großen, ruhigen Wasseroberfläche mit seinem doppelten Saum aus steilen Felsen und Hügeln mit ihren Umrissen, vervielfältigt durch die Schönheit der Inseln, der kleinen Buchten, der malerischen Dörfer… der Reichtum der Pflanzen- und Tierwelt.

Die Geschichte des Sees ist so stürmisch, wie die Geschichte um ihn herum. Für seine heutige Größe ist vor allem der Fluss Drim verantwortlich. Über Jahrhunderte war es eine größere Lache in der Zeta-Skadar-Ebene, der Getreidekammer der Nemanjićs, Crnojevićs und Balšićs. 1858 kam es zu einem so heftigen Unwetter, dass die Drim verrückt wurde: sie wälzte soviel Material von den albanischen Bergen zur Mündung der Bojana, dass sich der Flusslauf verschob. Die Getreidekammer ging unter, die Pfütze wurde zum größten See auf dem Balkan. Auch das Klima änderte sich, es wurde feucht. All das geschah etwa sechs Meter über dem Meeresspiegel. Die Wissenschaft sagt, dass der Skutarisee zu den sehr seltenen mediterranen Süßwasserfeuchtgebieten gehört. Er umfasst sechs Einheiten: Veliko blato (blato=Schlamm), Malo blato, Vučko blato, das untergegangene Ufer des Flusses Crnojevića, die Hot-Bucht und das Becken Gornje blato. Auf 412 Quadratkilometern, bei niedrigem Wasserstand, gibt es genügend Material für Forscher aller Art. Von Vranjina bis Skadar ist der See 44 Kilometer lang und durchschnittlich 10 bis höchstens 13 Kilometer breit. Er ist etwa acht Meter tief. Zwei Drittel des Sees gehören zu Montenegro, ein Drittel zu Albanien. Sein Wasser bezieht er aus mehreren Flüssen und Bächen, außerdem aus unterirdischen Zuflüssen. In ihn ergießen sich die Morača (mit der wilden Mrtvica und der zahmen Zeta sowie der einzigartigen Cijevna), die Flüsse Crnojevića, Karatuna, Orahovštica. Sein Abfluss, die Bojana, fließt in die Adria. An einigen Stellen, den sogenannten Augen oder Quellen, ist der See viel tiefer. Sie beweisen eine Kuriosität: der See ist in seinem größten Teil eine Kryptodepression. Das bedeutet, dass seine Oberfläche über und Teile seines Bodens (diese Quellen) unter Meeresniveau liegen. Von diesen Quellen gibt es um die dreißig. In ihnen ist die Wassertemperatur zu jeder Jahreszeit etwa gleich. Die Ukeleien sammeln sich dort in Schwärmen, so dass die Fischer sie leicht fangen können.

Die tiefste Quelle ist der Raduš mit mehr als 60 Meter Tiefe. Im Winter kommen Vögel aus verschiedenen Teilen der Welt beispielsweise aus Westsibirien oder aus Afrika zu ihrem Zufluchtsort, dem Skutarisee. Hier fühlen sich sogar die überaus seltenen schwarzen afrikanischen Reiher wohl. Kunterbunt ist die Welt im Vogelparadies: verschiedene Enten- und Gänsearten watscheln umher; Haubentaucher und Kormorane gehen Spazieren; Reiher, Ibisse, Adler kreuzen, Gänsegeier und Trappen haben anstelle des Meers diese Insel als ihre Brutstätte gewählt. Unweit ist die Insel Omerova gorica, Siedlungsort der Graureiher, inmitten von Lorbeerbäumen, die einzige bekannte Reiherkolonie auf Lorbeerbäumen. Der See ist kein Vergnügungspark, sondern einer der größten Zufluchtsorte und Lebensräume für Vögel in Europa. Dies ist ein Beweis für den guten Zustand des Ökosystems und verweist auf eine lange Tradition: in der Eiszeit entkam diese Gegend der Vereisung und wurde zum Schutzraum der belebten Welt. „Für jeden Geschmack“ ist etwas dabei: Wasser, Schilf, Weiden, Wiesen, Ćemovsko polje. Nackter Fels auf den Inseln. Wälder. Und wieder Vielfalt und Besonderheit: ein Hainbuchenwald wächst einträchtig mit vielen anderen Bäumen, wie Eichen, Erlen, Edelkastanien. Gute Nachbarn sind auch Zerreichen, Zwenken, Erlen, wilde Feige, Granatapfel,… Auch die Küste und die Wasseroberfläche sind von einer üppigen Vegetation bedeckt. Viele Arten (sogar 930 Algenarten), viele endemische Arten, die belegen, wie jung der See ist. Auf der Oberfläche weiße und gelbe Seerosen, die Wassernuss (eine Pflanze, die nur auf dem Skutarisee gedeiht, essbar, mit Kastaniengeschmack). Ungewöhnlich auch deshalb, weil sie – auch wenn sie im Wasser wächst – Regen braucht, um Frucht zu tragen.

Schilfrohr und Wasserminze wachsen im Seeboden, aber ragen aus dem Wasser hervor… und im Wasser, im weichen und schlammigen Boden, bleibt allerlei aus der Pflanzenwelt, in voller Harmonie und mit viel Verständnis für das schwimmende Volk. Im Flussgebiet wurden 48 Fischarten gezählt. Eine besondere Karpfenart und die Ukelei (kleiner Fisch) leben nur hier und nirgends sonst auf der Welt. Belegt ist, dass im dreizehnten Jahrhundert die Ausfuhr der Ukelei nach Italien sehr entwickelt war. Und geräucherter Karpfen ist eine Spezialität, deren Geschmack, besonders in Kombination mit dem Geschmack des berühmten Crmnica-Weins, unvergesslich ist. Aber es gibt auch Gäste: außer Süßwasserarten halten sich vorübergehend auch Meerestiere hier wie Aal, „Kubla“ und andere auf.

Aktivitäten

  • Kitesurfen
  • Schwimmen
  • Vogelbeobachtung
  • Fischen
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